Neu: HUSERBUEBE mit der Klarinette

BOHEMA STAR 

Geschichte der Huserbuebe

HUSERBUEBE 1978 bei einem Fernsehauftritt in Wasterkingen

Erinnerungen an die „Huserbuebe“ 

Die Ländlermusik, eine Sparte der Schweizer Volksmusik, besteht aus Tänzen in verschiedenen Taktrichtungen und wird in der Schweiz seit vielen Jahrzehnten sowohl als konzertante wie bodenständige Interpretation geschätzt. Die Innerschweizer, Bündner, Appenzeller oder Berner Stilrichtungen unterscheiden sich meist in ihrer Instrumentierung. Die Vielfalt der Ausdrucksformen, die regional sehr unterschiedlich daherkommen, füllen eine reiche Volksmusikpalette, gewähren aber auch modernen Strömungen Raum. Die Ländlerkapelle „Huserbuebe“ pflegte über Generationen den traditionellen Innerschweizer Stil, der bei Alt und Jung ankam und nach wie vor beliebt ist. 

 

Sympathische Ländlerkapelle

Die „Huserbuebe“ galten in der Szene während einem halben Jahrhundert als eigentliche Institution. Ländlermusikfreunde schätzten diese Kapelle aus dem Zürcher Weinland. Die runden Melodien bereichern bis heute das Repertoire renommierter Formationen, obwohl die Huser-Kompositionen technisch nicht einfach nachzuspielen sind. Mit dem Tod von Tony und Franz Huser (1990 und 1992) verstummten die beliebten „Huserbuebe“ für immer. Franz Husers Sohn Markus mit Jahrgang 1972 spielt als Interpret guter Jazzmusik an der Klarinette bei der „Old Iron Stompers-Dixielandband“ und der "FFLA Jazzband", aber die Ländlermusik seiner Vorfahren vernachlässigte er nie, trat er in den letzten 15 Jahren  mit dem Akkordeonisten Hermann Schorno und dem Pianisten Albert Weber als Ländlerformation auf. Damit ging der letzte Wille seines Vaters Franz in Erfüllung, der noch kurz vor seinem Tod den Wunsch äusserte, Markus möge seine geliebte Ländlermusik in seinem Sinn weiterführen.

 

Nach der Gründung der Kapelle „Huserbuebe“ 1939 feierte die Formation 1974 ihr 35-jähriges Bestehen und 1989 das goldene Jubiläum „50 Jahre Huserbuebe“ mit einer denkwürdigen CD. Die „Huserbuebe“ musizierten stets aus Freude und komponierten auch eigene Melodien: Franz verfasste etwa 200 Eigenkompositionen, sein Bruder Tony mindestens deren 700. Der bekannte Ländler-Walzer „Mamma“ stammt vom Vater der beiden, Franz Huser senior, der die Ländlermusik mit Überzeugung pflegte.

 

Nach der Gründung der Ländlerkapelle „Huserbuebe“ spielten Franz Huser (Klarinette, Saxophon, Akkordeon, Klavier und Bass), Tony Huser (Akkordeon, Klarinette, Saxophon, Klavier, Bass, Gitarre und Mandoline), Ernst Inglin (Akkordeon, Klavier) sowie die Schwestern Gritli, Trudy und Rosa zusammen. Im Laufe der Jahre ergaben sich aber einige Wechsel in der Besetzung, sodass verschiedene bekannte Namen wie Fredy Hauser, Karl und Walter Kaiser, Föns Lusterberger, Ueli Mooser, Trudy Huser sowie Ende der fünfziger Jahre auch der legendäre Pianist Hans Frey auftauchten. Als Akkordeonisten wirkten im Wechsel Alois Brühwiler, Walter Grob, Heiri Hartmann, Albert Buser und Martin Nauer mit. Die Seele dieser Ländlerformation bildeten aber immer die beiden Brüder Franz und Tony, die mit der Zeit ihren typischen Ländlerstil entwickelten und dank ihren Talenten sich zu eigentlichen Spitzenmusikern emporarbeiteten. Im Verlauf der Jahre entstanden über 30 Tonträger. Auch Franz Huser bekannte sich zeit seines Lebens zur Schweizer Volksmusik und schrieb mir einmal: „Unsere Absicht besteht darin, den Freunden der Ländlermusik mit gekonntem Spiel aufzuwarten.“  Mit „gekonntem Spiel“ unterstrich er seine Zielsetzung als Kapellmeister, den Volksmusikfreunden gepflegte, konzertante Ländlermusik nach traditioneller Art zu bieten. Und dies gelang den legendären „Huserbuebe“ hervorragend. Franz betonte immer wieder, dass die Musik über die Sprachgrenzen hinaus verstanden werde. Die Ländlermusik müsse aus dem Herzen kommen, wenn sie die Herzen der Zuhörerinnen und Zuhörer erreichen wolle.

 

Erfolgreiche Musikerkarrieren

Nach 1939 waren die „Huserbuebe“ als Berufsmusiker in bekannten Konzertlokalen anzutreffen, so etwa im „Schäfli“ und „Swiss Châlet“ Zürich, im „Kornhauskeller“ und „Simplon“ Bern, im „Oberländerhof“ Interlaken, im „Palace Hotel“ Montreux oder im „Volkshaus“ Basel. Die „Huserbuebe“ reisten aber auch als Botschafter der Schweizer Volksmusik mehrmals ins nahe und ferne Ausland und feierten grossartige Erfolge. 1947 in Madrid, 1978 zu einem Fernsehauftritt in Berlin sowie auf Konzerttourneen in Kalifornien, Israel, Japan, Saudi Arabien, Portugal, Taiwan und Venezuela. Auch eine Folklore-Kreuzfahrt zum Nordkap blieb unvergessen. Auf einer Konzertreise in Israel komponierte Tony Huser den brillanten Schottisch „Im Sheraton z’Tel Aviv“, der auf dem Jubiläums-Tonträger „50 Jahre Huserbuebe“ zu hören ist. Am 16. Mai 1990 erhielt ich von Franz Huser aus Caracas eine Ansichtskarte: „Viele Grüsse aus Caracas – Huserbuebe mit grösstem Erfolg, Huserbuebe im Schuss.“ 

 

Mit Musik durchs Leben

Schon für die Eltern der beiden Huserbuebe, Franz und Frieda Huser-Storrer, war die Musik ein ständiger Begleiter. In einem Restaurant lernte Franz seine spätere Lebenspartnerin Frieda kennen. Franz war noch in der Rekrutenschule, als die Hochzeitsglocken läuteten. Im Militär komponierte der Volksmusikant Fränzel seinen wunderschönen Walzer „Mamma“. Am 9. März 1916 bekam Frieda zu ihrem Franz noch ein Fränzli und 1918 erblickte  Friedeli das Licht der Welt. 1919 folgte Trudi und 1921 der spätere Akkordeonvirtuose Anton, genannt Tony. 1924 kamen noch Gritli und Rosi hinzu. 1932 kam Ideli auf die Welt, von der ganzen Familie nur „Pupi“ genannt. Die Musik lag allen Husers im Blut, und so entstand vorerst ein Duett, dann ein Trio und ein Doppelquartett bis zum stattlichen Familienorchester. Frieda sorgte während den Wirtschaftskrisenjahren nicht nur für ihre Kinder, sondern musizierte auch mit ihrem Mann. Sie war ein richtiger Wandervogel, sodass das Huser-Orchester später auch als „Wandervögel“ unterwegs war. Als die Kinder erwachsen wurden, heirateten die Mädchen bald, und aus dem Trudi Huser wurde ein Trudi Böckli, eine erstklassige Jodlerin. Insgesamt 19 Enkel erfreuten Franz und Frieda. Bald erkrankte der „Handorgelkönig“ Franz schwer und starb im Alter von erst 58 Jahren. Jetzt war es für Mutter Huser ein Trost, dass sich Franz und Tony zusammentaten und als „Huserbuebe“ die Leute mit ihrer Musik erfreuten. Bei ihnen tauchte sie immer wieder auf, ergriff die Bassgeige und spielte, schwenkte, drehte und klopfte auf ihrem Instrument so, dass der ganze Saal vor Vergnügen kreischte und frenetischen Beifall zollte. Frieda war die erste, die mit Gitarre und Bassgeige während des Spiels Schabernack trieb und das Publikum begeisterte. Später imitierte sie Paul Moser von den „Moserbuebe“, Aschi Dietrich von den „Masimas“ und Rico Peter von den „Liricos“ authentisch. 1979 konnte man die 83-Jährige noch im Schweizer Fernsehen bewundern. Als sie Paul Kuhn nach einer Sendung im Deutschen Fernsehen fragte, was sie in ihrem langen Leben am meisten gefreut habe, meinte sie: „Am glücklichsten bin ich darüber, dass ich den besten Musikanten als Ehemann bekommen habe. Und froh macht mich, dass alle meine Kinder und Enkel Freude an der Musik haben.“ Glücklicher wäre sie zwar gewesen, wenn die beiden Huserbuben Franz und Tony ein Musikstudium hätten abschliessen können. Dennoch durften beide mit ihrer Ländlerkapelle eindrucksvolle Erfolge feiern, die in die Geschichte eingingen.

 

Franz Huser (1916 – 1992) blies bereits mit neun Jahren bei öffentlichen Anlässen die Klarinette in der elterlichen Kapelle, deren Kern seine Mutter am Bass und der Vater am Akkordeon bildeten. Erworben hatte Franz seine musikalischen Fähigkeiten bei den Eltern, durch die er als Siebenjähriger im Stegreifspiel unterrichtet worden war. Dank seinem Talent erreichte er auch mit anderen Instrumenten ohne Notenkenntnisse respektable Leistungen – am Akkordeon und Schwyzerörgeli, an der Klarinette und am Saxophon. Unter seiner Leitung war die Kapelle von 1934 bis 1939 mit bis zu neun Familienmitgliedern unterwegs. Zwischendurch versuchte Franz sein Glück als Formation „Franz Huser“ mit erstrangigen Musikern wie Kasi Geiser, Godi Burlet, Ueli Martinelli und anderen bekannten Interpreten. 1939 gründete er mit seinem Bruder Tony im Zürcher Niederdorf die Ländlerkapelle „Huserbuebe“, die ein halbes Jahrhundert  zu den Spitzenformationen der Ländlerszene zählte. Mit den „Huserbuebe“ spielten später Alois Brühweiler, Albert Buser, Hans Frey, Heiri Hartmann, Fredy Hauser, Walter und Kari Kaiser, Föns Lustenberger, Ueli Mooser, Martin Nauer, Hermann Schorno und andere. Nach dem Tod von Mutter Frieda Huser stand Schwester Trudy Huser am Kontrabass. Unter Franz Husers Eigenkompositionen blieb wohl die „Schwyzerörgeli-Polka“ bis heute ein Hit. Sein Bruder Tony (1921 – 1990) wurde als Akkordeonist, Klarinettist und Saxophonist bekannt, spielte anfänglich auch in der Familienkapelle, später bei den „Huserbuebe“ als Akkordeonist. Seine rassigen Schottisch-Melodien „Lackaffe“ und „Im Sheraton z’Tel Aviv“ erklingen noch oft am Radio. Franz Husers Sohn Markus spielt sein musikalisches Talent nicht nur bei einer Dixielandband aus, sondern auch in der Ländlerformation „Huserbuebe“, so ganz nach dem Zitat von Ludwig van Beethoven „Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie“. Ob diese verschiedenen Stilrichtungen identisch sind? Bestimmt ergänzen sie sich gut. Auch für Markus Huser hat die Musik im Leben einen hohen Stellenwert, und deshalb hat er sich nicht nur als vielseitiger Musiker einen Namen gemacht, sondern tritt neuerdings auch als Produzent unter dem Label „Huser Records“ in Erscheinung.

 

 

Ernst A. Meyner  -  Volksmusikredaktor


 

HUSERBUEBE Formationsfoto für LP Cover - Aufnahmen im Restaurant / Hotel Hirschen in Trüllikon

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